Züchter nennen kann sich jeder, es gibt keine feste Definition im rechtlichen Sinne hierfür. Trotzdem ist für mich die Regel klar: nur, wer in einem Verein gebunden ist, ist ein Züchter. Alle anderen, die angebliche Rassekatzen anbieten, sind Vermehrer. Punkt.

Wie komme ich zu dieser Aussage? Warum kann man nicht auch ohne Verein ein Züchter sein?

Nun, jeder Züchter sollte ein Zuchtziel haben und versuchen, mit seiner Arbeit zur Verbesserung und zum Erhalt der Rasse beizutragen. Sei es eine schönere Augenfarbe, eine bessere Nasenform, Fellqualität, es gibt viele mögliche Ziele. Und wenn der Züchter zur Verbesserung der Rasse beitragen möchte, kann er dies nur, wenn er einen Stammbaum für seine Tiere hat. Denn nur dann können seine erfolgreichen Tiere offiziell ihre Gene innerhalb der anerkannten Rasse weitergeben.

Züchten heißt nicht, einfach beliebig viele kleine Katzen in die Welt zu setzen. Züchten hat etwas mit Selektion zu tun, unter anderem damit, gesundheitlich auffällige Tiere von der Zucht auszuschließen. Dies kann ich nur tun, wenn ich mich zum einen fachlich mit Genetik auskenne, zum anderen aber eben auch den Stammbaum meiner Tiere kenne und als Arbeitsmaterial verwenden kann. Haben die Tiere keinen Stammbaum, kann ich das nicht tun.

Deswegen gibt es keinen richtigen Züchter, der nicht in einem Verein ist. Es kann sich dann nur um einen Vermehrer handeln. Und wenn der Vermehrer nicht zur Verbesserung der Rasse beitragen kann, was sind dann seine Ziele? Einmal Kitten haben, weil Kitten doch soooo niedlich sind? Gewinn aus der Vermehrung auf Kosten der Katzen herausschlagen? Ich habe noch keinen Züchter ohne Verein angetroffen, der mir plausibel machte dass er im Interesse der Rasse und der Katzen handelt, und nicht nur in seinem egoistischen Interesse. Ich ändere diese Meinung gerne, wenn mir jemand ein überzeugendes Argument benennen kann.

Durch die Mitgliedschaft in einem Verein werden dem Züchter auch gewisse Grundregeln auferlegt, die dem Schutze des Tieres dienen, z. B. darf eine Zuchtkatze bei den meisten Vereinen nur max. 3 Würfe in 2 Jahren haben. Bietet also ein Züchter Tiere ohne Stammbaum an, dann ist er entweder kein Züchter im Verein oder er hat einen Wurf über der erlaubten Anzahl und verstößt gegen diese Schutzauflage. Rechtfertigt dies mit dem Preis für den Stammbaum, dann schwindelt er. Der Stammbaum kostet zwischen 20 und 30 Euro, ist also absolut kein Argument dafür,. Höchstwahrscheinlich hat er gegen Auflagen seines Vereines verstossen und zu viele Würfe mit dem Tier gemacht, und kann nun keine Papiere beantragen. Sie werden es einfach feststellen können: bieten Sie an, die Kosten für den Stammbaum zu übernehmen. Dann wird sich zeigen, wie der Züchter reagiert.

Ein Züchter mit Verein, der Tiere auch ohne Stammbaum anbietet, ist also eigentlich auch nichts anderes als ein Vermehrer. Es besteht die Gefahr, dass er die Mitgliedschaft in seinem Verein als Deckmäntelchen für seine Seriösität verwendet, sich aber trotzdem nicht an die Richtlinien hält und daher die Tiere ohne Papiere anbietet.

Trotzdem muss man anmerken, dass eine Vereinsmitgliedschaft und ein Stammbaum allein noch keine Garantie dafür sind, dass es sich wirklich um einen seriösen, vertrauenswürdigen Züchter handelt. Vor langer Zeit dachten wir auch einmal, dass dies eine Art "Gütesiegel" ist. Das ist aber weit gefehlt - es gibt keine fachliche Prüfung für Züchter, er muss keine besonderen Kenntnisse nachweisen, damit er Vereinsmitglied werden kann. Es gibt leider eine grosse Anzahl von Züchtern, besonders in den Moderassen wie Maine Coon und BKH, die ohne Hintergrundwissen über Vererbung und Erbkrankheiten züchten, und ihre Zuchttiere nur nach der Optik auswählen. Auch wenn ein Tier den Championtitel hat: seien Sie sich bewusst, der Titel bezieht sich nur auf die Optik. Bei Ausstellungen wird weder der Stammbaum noch die Gesundheit der Linien bewertet, noch kann ein Preisrichter Erbkrankheiten erkennen. Frag also den Züchter ruhig konkret nach seinen Zuchtzielen und den Gesundheitstests, die er durchführt. Dann wird sich schnell Spreu vom Weizen trennen, anhand der Antworten kannst du vieles ableiten.

Nun noch einmal zum Thema Vermehrer/Rassekatzen ohne Stammbaum:

Es gibt keine Rassekatze ohne Stammbaum! Die Katze sieht zwar vielleicht optisch aus wie eine bestimmte Katzenrasse, aber sie kann es nicht nachweisen. Sie sieht eben mehr oder weniger aus wie die Katzen einer bestimmten Rasse. Da kann sonst etwas in den Ahnen eingekreuzt sein und sich auch auf die Verhaltensweisen auswirken. Und dafür, dass es eben vielleicht doch nur ein Mix ist, sind die Preise dann auch wieder kein Schnäppchen. Gut, nun kannst du argumentieren, mir reicht das, wenn sie so aussieht. Mehr will ich gar nicht, und dafür spare ich dann doch einige Euro.

Hmm....sparst du wirklich Geld? Bedenke, dass der Vermehrer in der Regel eben nicht die ganzen Untersuchungen auf Erbkrankheiten macht und sich auch nicht eingehend mit den Stammbäumen und Ahnen seiner "Zuchtkatzen" auseinandergesetzt hat bzw. gar nicht konnte mangels Stammbaum. In der Regel kennen sich diese selbst ernannten Hobbyzüchter auch nicht mit Genetik aus (gut, leider manche Züchter auch nicht....) . Und es findet auch kein Austausch mit Züchterkollegen statt und daher bekommt er auch nicht mit, wenn z.B. in bestimmten Linien HCM vererbt wird. Nö, da ist dann halt mal eine Katze tot vom Kratzbaum gefallen. Warum? Keine Ahnung! Das dicke Ende kann hier durchaus in Form happiger Tierarztrechnungen oder eines kurzen Lebens deiner Katze nach kommen. Das Risiko, hier ein krankes Tier zu bekommen ist auf jeden Fall wesentlich größer als bei einem Züchter mit Papieren.

Und bisher rede ich nur von den Vermehrern, die ihre Katzen gut behandeln und einfach deswegen Nachwuchs haben, weil sie gerne Kitten haben und einfach unwissend oder ignorant sind. Das heißt ja nicht gleich, dass sie schlechte Menschen mit böser Absicht sind.

Dann gibt es aber eben auch noch die Vermehrer, die das ganze als Geschäftsmodell betreiben. Und je weniger ich in die Katzen reinstecke, desto mehr bleibt als Gewinn hängen. Hier haben dann oft die Mutterkatzen einen Wurf nach dem anderen, bis sie "verbraucht" sind, die Deckkater werden schäbig in Käfigen gehalten, es wird einfach "produziert" so viel wie geht unter elendsten Bedingungen. Die Jungen sind dann oft noch nicht mal geimpft und werden viel zu früh von der Mutter weg genommen. Aufgrund der schlechten Bedingungen gibt es dann noch gratis obendrauf Pilzbefall oder Flöhe. Diese Kitten werden dann häufig mehr oder weniger ausgeliefert wie Pakete oder an der Autobahn aus dem Kofferraum heraus verkauft.

Bitte, bitte: kauf niemals ein Kitten auf diesem Wege!!! Das ist Tierquälerei !

 

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