Interessant sind oft die abwiegelnden Reaktionen von Züchtern, wenn beim Züchterbesuch das Thema "Gesundheit" und vorbeugende Tests (insbesondere HCM) angesprochen werden. Wir haben hier einmal einige vorgekommene Reaktionen und unsere Einordnung dieser Reaktionen aufgeschrieben. Es handelt sich hier keineswegs um fiktive Reaktionen, sondern die Äusserungen wurden entweder uns selbst gegenüber gemacht, oder wir wurden von Kitteninteressenten gefragt, wie sie denn diese Äusserung des Züchters einordnen sollen.

Diese Rubrik wird immer wieder um Beiträge erweitert werden.

----------------------------------------------------------
zum HCM-Gentest bei Maine Coon

Reaktion:

<< Der Gentest sagt Ihnen nichts aus. Es ist ein Gen von 11 Genen das getestet wird und selbst wenn ein Tier Gen-Negativ ist, kann es mit einem, zwei oder drei Jahren erkranken, weil auf einem anderen Gen HCM ausbricht.>>
(als Begründung, warum der Gentest nicht durchgeführt wird)

unsere Einschätzung:
Richtig ist, dass HCM immer noch auf einem anderen Gen ausbrechen kann. Aber die Aussage" 1 von 11 Genen" ist schon mal falsch, es sind mehr als 100 auslösende Gene. Soweit mal zur Fachkunde des Züchters.
Aus diesem Grunde geht es bei dem Test auch weniger um die negativ getesteten Tiere.  Es geht darum, zu erkennen, ob ein Tier im Gentest positiv ist, weil es dann erkranken wird bzw. die Krankheit weitervererbt . Und das sagt natürlich schon etwas aus. Es ist eine faule Ausrede, nicht testen zu wollen, weil das negative Ergebnis keine Garantie für die Zukunft ist.  Das positive Ergebnis ist der Punkt, auf den es ankommt. Oder gehen Sie erst zur Vorsorgeuntersuchung, wenn garantiert ist, dass sie bei einem negativen Ergebnis nie an Krebs erkranken werden?


----------------------------------------------------------

Reaktion:

<< Ich habe, wie die meisten Züchter auch, mehrere mischerbige Tiere und das ist auch gut so, sonst werden bestimmte Linien reduziert, und der Genpool wird noch enger, denn durch Inzucht kommt ein schlechtes Immunsystem und damit viele andere Krankheiten, an denen eine Katze sterben kann. Das finde ich viel schlimmer, als diese HCM-Hysterie .>>
(ein beliebtes Argument, wenn mit mischerbigen Tieren weitergezüchtet wird)

unsere Einschätzung:
Natürlich führt Inzucht zu Problemen und soll keinesfalls betrieben werden, das ist richtig. Aber: es ist keineswegs so, dass es so wenige Coonie-Linien gibt, dass man Inzucht betreiben müsste um mit Gentest-negativen Tieren zu züchten. Es ist nur so, dass einige bekannte und in vielen Stammbäumen vertretenen Linien immer wieder durch positive und heterozygote Testergebnisse auffallen (und auch konkrete HCM-Fälle!) und nun die Züchter, die mit diesen Linien arbeiten, nicht bereit sind, Konsequenzen daraus zu ziehen. Was macht man, wenn man etwas partout nicht einsehen möchte? Man sucht Ausweichstrategien, um sich das eigene Handeln schön zu reden.

----------------------------------------------------------

Reaktion:

<< Ältere Kastraten die aber pos. getestet wurden, erfreuen sich bester Gesundheit, dafür erkrankten aber viele neg. getestete Tiere an HCM.  Deswegen ist der Gentest sinnlos. >>
(ein weiteres Argument, warum der Gentest nicht gemacht wird)

unsere Einschätzung:
Die Aussagen sind richtig, aber der Gentest ist trotzdem nicht sinnlos. Die älteren Kastraten können durchaus noch an HCM erkranken, und noch wichtiger: haben sie Nachkommen gezeugt, die bereits an HCM erkrankt / verstorben sind? Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies der Fall ist, wenn sie in der Zucht eingesetzt wurden. Es ist ein Lotteriespiel mit dem Leben der Tiere, dass man unserer Meinung nach um jeden Preis vermeiden sollte.
Auch die Aussage, dass negativ getestete Tiere an HCM erkranken, ist richtig. Der Gentest kann heute 1 auslösendes Gen erkennen, es wird vermutet, dass es über 100 auslösende Gene gibt. Daher ist ein negativer Gentest noch keine definitive Aussage, ein positiver Gentest aber sehr wohl.  (s. auch Antwort zu ersten Frage)

----------------------------------------------------------

Reaktion:

<< Der Gentest liefert falsche Ergebnisse. Ich habe falsche Ergebnisse erhalten. >>
(ein weiteres Argument, warum der Gentest nicht - mehr - gemacht wird)

unsere Einschätzung:
Wo Menschen arbeiten, können Fehler entstehen. Bei jedem medizinischen Test wird man einen Fall finden können, in dem das Testergebnis aus irgend welchen Gründen falsch war.
Beim HCM-Gentest kommt dazu, dass es 2 Möglichkeiten gibt: den Test per Blutprobe, der durch den notwendigen TA-Besuch teuerer ist, aber auch zuverlässiger. Und den einfachen Test per Speichelprobe, den der Züchter selbst vornehmen kann. Allerdings ist der Test nicht so zuverlässig, da u.U. nicht genügend Genmaterial für den Test vorliegt, bei mehreren gleichzeitigen Tests können unbeabsichtigt die Teststäbchen vertauscht werden, usw. Der Test ist billiger, aber unsicherer. Da kann es durchaus zu falschen Ergebnissen kommen. Wenn also solche Aussagen kommen, müsste man zuerst mal nachfragen, wie den überhaupt der Test durchgeführt wurde. Komischerweise hört man von Züchtern, die den Test durchführen und die auf die Ergebnisse reagieren, nichts davon, dass der Test nicht zuverlässig sei. Dieses Argument kommt immer nur von Züchtern, die mit positiven und mischerbigen Tieren unbedingt weiter züchten wollen.

----------------------------------------------------------
zu Tests allgemein

Reaktion:

<< Ich halte nichts von dieser Testerei. >>
(Begründung, warum nicht auf HCM geschallt wird, auf PKD getestet usw.)

unsere Einschätzung:
Nun ja, wo ist hier nun die Begründung? Wir können auch behaupten, die Erde ist eine Scheibe, auch wenn es wissenschaftlich inzwischen widerlegt ist. Auf diesem Niveau einfach nicht diskutierbar.......

----------------------------------------------------------

Reaktion:

<< Das sieht man doch, dass meine Katzen gesund sind! >>
(eine weitere Begründung, warum Tests überflüssig sind)

unsere Einschätzung:
Seit wann kann man Erbkrankheiten einem Tier ansehen? Die Katzen mögen ja gesund aussehen, aber ob sie es sind? Es gibt 2 Möglichkeiten: entweder der Züchter hat absolut keine Ahnung von Katzenkrankheiten und Vorsorge, oder er weiss es und testet trotzdem nicht. Beide Möglichkeiten sprechen nicht für den Züchter........

----------------------------------------------------------

Reaktion:

<< Ich züchte schon (xx) Jahre und noch nie hat es einen Sterbensfall deswegen gegeben >>
(eine weitere Begründung, warum Tests überflüssig sind)

unsere Einschätzung:
Theoretisch ist das durchaus möglich. Aber welche Gewähr habe ich als Käufer, dass diese Aussage stimmt? Und wenn ein Züchter das behauptet:  Es gibt keine Cattery auf der Welt, bei der alle Nachkommen steinalt werden. Wurden alle vorzeitig verstorbenen Tiere obduziert, um die Todesursache zu erkennen? Weiss der Züchter überhaupt, was aus allen seinen Tieren und deren Nachfahren geworden ist? Sonst kann er so eine Aussage eigentlich gar nicht treffen. Es bestehen also durchaus berechtigte Zweifel an dieser Aussage.

Weiterlesen....Aus Mitleid kaufen?

  • Besucherzähler:
  • Heute: 72
  • |
  • Gesamt: 98949