Anton, BKH
06.03.2005 - 26.11.2005 (HCM)

geschrieben von Andrea B.

Als ich Anton das erste Mal sah, war ich schier begeistert. Ein kleiner 4 Wochen alter KARTÄUSER Kater, der vor Selbstbewusstsein nur so strotzte. Er hatte nicht nur mich um den kleinen Finger gewickelt, sondern unsere ganze Familie. Trotzdem schwanke ich zwischen einem Ja und einem Nein, denn Anton war für mich als Zuchtkater unakzeptabel, da seine Großmutter in meiner Zucht lebte. Aber ich träumte schon immer von einem wunderschönen, typvollen BKH-Kater in blau, der nun vor mir stand. Also lies ich Anton erst einmal bei der Züchterin für uns reservieren.

Nach einigen Wochen bekam ich dann einen Anruf. Die Züchterin meinte, ich müsse mich nun langsam entscheiden, da noch andere Kaufinteressenten für Anton da seien. Darauf hin sagte ich ab, sie solle Anton gerne an jemand anderes nettes verkaufen. Meine Anabelle bekäme nun auch bald Babies und ich wollte mir dann doch einen Kater suchen, mit dem ich auch züchten könnte.

Anton und seine Geschwister wurden so langsam 8 Wochen alt und der Termin der ersten Impfung rückte immer näher. Die Tierärztin untersuchte die Kitten und stellte fest, dass Anton ein Herzgeräusch hatte. Wieder telefonierten wir miteinander und kamen zu dem Entschluss, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird und dass das Herzgeräusch sicherlich bei der nächsten Untersuchung vergessen sein wird. Die potentiellen Käufer wurden nicht unterrichtet und die Anzahlung für den kleinen Kerl entgegengenommen.

In Antons zwölfter Lebenswoche war das Herzgeräusch immer noch aktuell und die damals behandelnde Tierärztin schlug der Züchterin eine kardiologische Untersuchung vor. Ein sehr netter Kardiologe in Kaltenkirchen führte die Ultraschalluntersuchung durch und stellte den Befund: HCM im Anfangsstadium. Empfohlene Behandlung: keine.

Da Anton so jung war, konnte sich innerhalb eines Jahres die HCM verbessern oder verschlechtern, eine Prognose konnte der Kardiologe nicht stellen. Das hörte sich doch gar nicht so schlecht an und die potentiellen Käufer wollten Anton trotzdem haben. Die gewissenhafte Züchterin aber, konnte Anton nun nicht mehr guten Gewissens verkaufen. Sie zahlte die Anzahlung zurück und kontaktierte mich, da sie noch am Anfang ihrer Zucht stand und mit mir Rücksprache zum Thema HCM führen wollte.

Ich war so perplex und hatte den süßesten Kater der Welt vor Augen. Der kleine Fußballspieler sollte seine paar Jahre, die ihm evtl. nur blieben bei uns verbringen. Ich kontaktierte meine Tierärztin und sie meinte, dass Anton mit diesem Befund wahrscheinlich nicht superalt wird, aber so 4 -5 Jahre würde er schon haben, bevor er eines Tages einfach beim Spielen tot umfallen würde. Es wäre wenigstens ein schöner Tod. So beschlossen meine Familie und ich gemeinsam, dass Anton einfach zu uns wollte und wir ihn mit offenen Armen empfangen würden.

Im Juni 2005 setzte Anton die ersten Fußstapfen in unser Haus und in unsere Herzen. Dieser blaue Brite passte zu uns, wie die Faust aufs Auge. Er genoss jede einzelne Sekunde seines neuen Lebens in unserer Katzengesellschaft.

Als erstes freundete er sich mit Max an. Unser getigerter Kater nahm ihn an die Hand und zeigte ihm die große, weite Welt. Ende Juni 2005 wurde ihm seine erste Maus gebracht und von da an war „El tonno (so nannten wir unseren kleinen Macho) der Herrscher über Haus und Hof.

Im Juli 2005 bekam Anabelle 6 wunderschöne, blaue Kitten und Anton war der geborene große Bruder, der sich, sobald niemand guckte, gerne noch mal in die Riege der kleinen Milchsäuger einreihte. Es war zum Piepen, wie ein 4,5 Kg. großer Kater zwischen kleinen 4 Wochen alten Kitten an der Milchbar lag. Natürlich mussten wir das unterbinden, aber wirklich übel genommen, hat er es uns nicht. Er guckte uns immer nur mit großen Augen an und schien zu denken: „Mist, erwischt…. aber morgen ist auch noch ein Tag.

Bis zum Oktober 2005 steppte bei uns der Bär. Die 6 kleinen Racker hielten uns in Atem und die Kittenkäufer kamen regelmäßig zu Besuch. Anton genoss den Trubel und erst wenn richtig was los war, fühlte er sich wohl. Er war die einzige Katze, die ich bis heute kenne, die sich gerne von einem Staubsauger absaugen ließ.

Ende Oktober kehrte Ruhe ein und unser ganzes Augenmerk galt nur noch dem Anton. Wir spielten mit ihm, gingen gemeinsam in den Garten und überall wo ich war, war Anton nicht weit. Kaum einen Schritt machte ich ohne meinen treuen Begleiter.

Mitte November fiel mir auf, dass der Anton etwas faul wurde. Er spielte wenig und schlief viel. Im Mietzmietz Forum erfuhr ich dann, dass es allen jungen Draufgängern momentan so erging und so machte ich mir auch gar keine Sorgen.

Die letzten Untersuchungen beim Tierarzt ergaben auch nur, dass sein Herzgeräusch sich nicht verschlechtert hatte und der nächste Termin beim Kardiologen sollte Anfang Dezember stattfinden, da Anton dann kastriert werden sollte.

Am 25. November 2006, einen Freitag, kam ich abends gegen 18:30 Uhr nach Hause. Ich aß mit meiner Familie zu Abend und mein kleiner Freund lag neben mir auf dem Fußboden. Total entspannt wie immer. Wir spielten dann gegen 20.00 Uhr noch eine Runde mit dem Ball, aber Anton hatte keine Lust. Ich scherzte noch mit ihm und meinte, er wird langsam alt. Gegen 21:20 Uhr, wir guckten gerade „Wer wird Millionär, sprang Anton neben mir aufs Sofa und hechelte. Irgendwie kam es mir komisch vor. Er hechelte und hechelte und kriegte sich nicht wieder ein.

Schnellsten rief ich einige Leute an, aber keiner konnte mir sagen, was das sein könnte. Gegen 22:00 Uhr rief ich meine Tierärztin an, die aber im Schnee steckte. Sobald sie wieder in der Nähe wäre, könnte ich in die Praxis kommen. Anton war zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch ziemlich ruhig. Ich versuchte auch, ihn abzulenken.

Gegen 23:45 Uhr konnten wir in die Praxis kommen und meine Tierärztin diagnostizierte „Wasser in der Lunge wohl vom Herzen. Sie kannte ja seinen Befund. Evtl. ein Riss im Zwerchfell, aber Anton war ja nicht gefallen. So bekam er spritzen zum Entwässern und wir sollten beten, dass sich sein Zustand besserte.

Die Nacht verlief ruhig und am nächsten Morgen lag der Süße vor meiner Schlafzimmertür. Er war alleine die Treppe heraufgekommen und schnurrte mich an. Ich gab ihm ein Leckerlie und er fraß seinen Napf leer. Er schaute mich an und kam zum Schmusen. Gegen 10:00 Uhr hatten wir noch einen Termin in der Praxis und auch dort bekamen wir die Auskunft, dass er übern Berg sei. Am Montag hatten wir dann einen Termin beim Kardiologen, damit wir abwägen konnten, ob wir ihn jetzt nicht doch medikamentös behandeln sollten.

Der Tag nahm seinen Lauf. Gegen 18:40 Uhr schauten meine Männer die Sportschau und ich machte mich auf den Weg in den Keller, um die ersten Adventsgestecke zu binden. Nach einigen Minuten stellte ich fest, dass der Anton gar nicht bei mir war. Das war schon ungewöhnlich, denn eigentlich wich er mir nie von der Seite und dann waren da ja noch Tannen und neue Gerüche, das würde er sich nicht entgehen lassen.

Ich ging die Treppe rauf und mir bot sich ein Bild des Grauens. Damit hatte ich nicht gerechnet. Anton lag auf dem Flur, mitten auf dem Teppich und rang mit dem Leben. Die Augen waren nur einen Spalt geöffnet und die Zunge hing heraus. Sein Atem ging hechelnd und sämtliches Leben schien ihm entwichen zu sein.

Als ich ihn ansprach blickte er auf und ich sah große, haselnußbraune Augen, die voller Angst waren. Sein Blick flehte mich an, ihm zu helfen. Ich rief bei meiner Tierärztin an, die sofort den Kardiologen verständigte. In 30 Minuten wollten wir uns in der Praxis treffen.

Die letzten 30 Minuten, die Anton mit uns verbrachte. Unsere ganze Familie saß um ihn herum und wir streichelten und sprachen mit ihm. Dann fuhren wir zum Tierarzt.

Die Diagnose war erschreckend. Zuerst versuchten wir noch das Wasser aus der Lunge rauszubekommen. Wir machten eine Röntgenaufnahme, da wir nicht sicher waren, ob vielleicht doch ein Riss im Zwerchfell war. Diese rapide Verschlechterung stellte uns vor großen Fragen. Aber dann rief der Kardiologe an. Es war niederschmetternd. Er sagte, dass ein Kater mit Antons Befund sowieso nie älter als 12 Monate werden wird und dass wir uns von ihm trennen müssten. Ich schrie, da ich immer dachte, er kippt irgendwann mal um, mit dieser Qual hatte ich nicht gerechnet. Das konnte doch nicht sein. Doch die Röntgenaufnahme sprach Bände. Sein Herz war dreimal so groß, wie das einer normalen Katze und die Lunge hatte keinen Platz mehr. Er würde elendig ersticken.

Wir entschlossen uns, ihn gehen zu lassen. Seinen Körper nahmen wir mit nach Hause und ließen unsere Katzenbande die Möglichkeit sich von ihm zu verabschieden. Eine Nacht stand er in unserer Mitte in seinem Case und wir gingen an ihm vorbei und streichelten ihn. Max, Beris und Anabelle leckten ihm die Stirn und so konnten wir ihn am Sonntagmorgen unter seinem geliebten Rhododendron begraben.

Ein Grablicht leuchtet bei ihm und wenn wir an unserem großen Esstisch sitzen, sehen wir sein Licht leuchten. In diesen Tagen fängt gerade der Rhododendron an zu blühen und wir erfreuen uns, an sein Grab und an den Schmetterlingen, die über ihn fliegen. Er hätte sie sicherlich gejagt und seine Freude daran gehabt.

Anton wurde 9 Monate alt und durfte nur einen Sommer erleben, weil es immer wieder Züchter und Vermehrer gibt, die sich über HCM keine Gedanken machen. Wahllos wird einfach weiter verpaart und irgendwann trifft es einen Kater. Aber dieser Kater ist weit weg von den Züchtern, denen HCM ein Fremdwort ist. Dieser Kater lebt dann in einer eigenen kleinen Familie, zu deren Lebensmittelpunkt er geworden ist und die nun um ihn trauern.

Wir haben uns Ende März 2006 einen Zuchtkater gekauft. Unseren Sid. Er ist nicht blau, denn das könnten wir nicht ertragen, aber er ist ganz, ganz lieb und erinnert uns manchmal an Anton. Aber das Wichtigste ist: Seine Eltern und seine Großeltern sind HCM-negativ geschallt.

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