Merlin, BKH
15.08.2004 - 06.08.2006 (HCM)

geschrieben von Claudia B.

Unser blauer BKH Kater Merlin wurde am 15.08.2004 geboren. Einer von einem Dreier-Wurf, er hat noch eine Schwester und einen Bruder, leider weiss ich nicht wo sie nun leben. Denn eventuell sind auch sie von HCM betroffen.

Merlin kam im Alter von 12 Wochen zu uns, geimpft, gechipt und offensichtlich vollkommen gesund. Papiere hatte er keine, wir legten keinen Wert darauf, dafür war er auch günstiger und ein reinrassiger BKH, wir hatten beide Eltern kennengelernt. Wir wurden nicht mal stutzig, als man uns erklärte warum der Vater vom Merlin ausschliesslich draussen lebte, schliesslich könnte man einen potenten Kater nicht innerhalb des Hauses isoliert halten. Auf das Kindchen-Schema von kleinen Kätzchen und auf Halbwahrheiten sind wir reingefallen.

Merlin lebte sich bei uns prima ein, kam auch schnell mit unserer Cairn Terrier Hündin zurecht. Der Draufgängertyp war er nicht, eher zurückhaltend, aber sehr verschmust, lieb und total auf mich fixiert. Ein ganz lieber Kater. Im Alter von fünf Monaten wurde er kastriert, beim Abhören vor der Kastration machte meine damalige Tierärztin eine Bemerkung über seinen sehr schnellen Herzschlag, aber nur so nach dem Motto, dass der Merlin halt sehr aufgeregt wäre.
Die Kastration überstand er gut, er schlief seinen Narkoserausch auf meinem Schoss aus.

Merlin liebte es, Socken zu klauen, er rannte dann mit den Socken in der Schnute durch die Gegend, miaute dabei laut und klagend bis wir ihm die Socken abnahmen. Und er liebte seinen abgesicherten Balkon. Er war ewig lange draussen, auch wenn es schon dunkel wurde. Einmal wurde er von einer Biene oder Wespe gestochen, so geschickt, dass der Stachel einmal durch die Zunge genäht war. Der Stachel wurde ihm in der Tierarztpraxis herausgezogen.
Daraus gelernt hat er leider nichts... Merlin war verrückt nach Wasser. Wenn ich Blumen giessen wollte und mit der Giesskanne herumlief, lief er miauend neben mir her. Er spielte gerne mit dem Wasserstrahl direkt aus dem Hahn.

Tja, so lebten wir alle glücklich und zufrieden bis zum November 2005 als die jährliche Impfung fällig wurde. Im Sommer hatte Merlin manchmal gehechelt, aber er war ein wilder junger Kater der halt manchmal übertrieb beim Spielen, in einem Forum hatte ich gelesen, dass das schon mal vorkäme. Nun stand dieser Impftermin an, etwas ganz normales im Leben von Hund
und Katze. Ich war auch nicht im mindesten darauf vorbereitet was passieren würde. Die Tierärztin horchte Merlin gründlich ab und sagte mir, da stimmt was mit dem Herzen nicht, der Merlin hat einen Galopprhytmus, also einen Herzschlag zuviel.

Ich hab gedacht, mir zieht es den Boden unter den Füssen weg. Sie machte die Impfung und vereinbarte gleich für die nächsten Tage einen Termin zum Herzultraschall. Dort bestätigte sich die Diagnose HCM. Eine Medikation hielt meine Tierärztin noch nicht für nötig. Ich stürzte mich ins Internet und informierte mich über die Hypertrophe Kardiomyopathie bei Katzen, an der Merlin leiden sollte. Immer wieder stiess ich auf den Hinweis, dass eine frühzeitige
Unterstützung des Herzens sinnvoll sei. Wir suchten und fanden eine Tierkardiologin die mit Farbdoppler Herzultraschall macht. Diese Tierkardiologin untersuchte Merlin nochmal, eben mit diesem speziellen Farbdoppler. Sie bestätigte die Herzerkrankung HCM und verschrieb Merlin ACE Hemmer zur Unterstützung des Herzens. Im Januar sollten wir zum Kontrollschall kommen. Merlin war zu dem Zeitpunkt, also Nov. 05, 15 Monate alt.

Der Kontrollschall war nicht so gut, die Werte hatten sich zum Januar verschlechtert, Merlin bekam einen Beta-Blocker zusätzlich. Alle Medikamente bekam er in flüssiger Form, ich gab sie ihm aus einer Spritze ohne Nadel. Wir machten immer eine richtige Zeremonie daraus,
auf dem Küchenfussboden. Zu Anfang mit Leckerli angelockt, dann die Spritze hinhalten, er schlabbert aus der Spritze, dann ein bisschen streicheln, reden, und weitermachen. Der Betablocker machte ihn für eine Weile recht müde, half aber die Turbulenzen in seinem Herzen zu regulieren und bald ging es ihm wieder wie vorher. Für April war der nächste Schall geplant. Da sah es nicht so schlimm aus, allerdings gab uns die Kardiologin gleich Entwässerungsmedikamente mit, sie meinte er würde Probleme bekommen wenn es wärmer wird.

Und so kam es leider auch. Es ging so weit dass ich anfing den Sommer zu hassen. Merlin bekam schlecht Luft, die anfängliche Dosierung des Entwässerungsmedikamentes von wenigen Tropfen am Tag stieg rapide an. Er pumpte nach Luft, es war schlimm. Wir kauften eine mobile
Klimaanlage weil unsere Dachwohnung sich so schlimm aufheizte. Die Tage verbrachte Merlin unter unserem Bett (die Klimaanlage war ihm zu laut) und die Nächte auf dem Balkon. Ich stand nachts um vier oder fünf auf, damit ich zu Zeiten mit ihm spielen und kuscheln konnte wo
es nicht zu heiss für ihn war. Dann fing der Merlin an struppig zu wirken und er stank. Ein Blutbild ergab, dass er dehydriert (ausgetrocknet) war und seine Nierenwerte waren schlecht. Das war im Juli 2006. Es sollte ein Nierenschall gemacht werden, was ich erst einmal ablehnte, weil es viel zu heiss war um mit Merlin im Auto herumzufahren. Merlin sollte infundiert werden, also ein Flüssigkeitsdepot unter die Haut gespritzt bekommen. Das wurde einmal in der Klinik gemacht, da blühte er auf, es war unglaublich. Es ging ihm so viel besser. In einer etwas kühleren Phase wurde dann auch der Nierenschall gemacht, er ergab dass Merlins Nieren
nicht nierenförmig sondern rund waren.

Aber bald war es Zeit für die nächste Infundierung, die haben mein Mann und ich zuhause gemacht. Merlin auf der Waschmaschine, den Infusionstropf am Türhaken, mein Mann hat den Merlin gehalten und ich habe die Nadel eingestochen und die Infundierungsmenge reguliert. Mehr als 100ml durften wir ihm nicht geben, das hätte das Herz überlastet. Merlin fand das gar nicht gut und brummte und knurrte vor sich hin. Nach dem Infundieren machte er einen Bogen um uns. Es tat uns so weh. Nach einer Weile hatte er uns verziehen und beschmuste uns wieder, mir wurde morgens wieder eine Pfote auf Mund und Nase gelegt und vorsichtig die Krallen ausgefahren, piek- Du bist wach! Beim Spielen war der Merlin zwar eher rabiat, aber morgens zum Wecken ganz lieb.

Wenige Tage später fing sein Fell wieder an sich zu verändern, wieder zum Struppigen hin, auch fing er wieder an zu riechen, nach Urin, aus allen Poren. Es war Zeit für die nächste Infundierung. Nach der Infundierung, die er mehr knurrend über sich ergehen liess,
ging es ihm, im Gegensatz zu früher, nicht besser. Am Sonntag, den 06. August 06 gab ich ihm morgens seine Medikamente, inzwischen waren wir auf Tabletten umgestiegen die ich in
Leckerlistangen versteckte, da er die Spritze nicht mehr nehmen wollte. Wenig später hörte ich wie er sich erbrach. Das ist ja nun bei Katzen nicht weiter schlimm, aber er erbrach nochmal und nochmal. Weissen Schaum. Ich wusste dass es schlecht war. Und sagte meinem Mann, dass ich nun mit Merlin zum letzten Mal in die Klinik fahre und er sich von Merlin verabschieden sollte. Und das hat er gemacht, er kniete sich zu Merlin in die Küche, sprach lange mit ihm, gab ihm noch eine Leckerlistange.

Dann fuhr ich allein mit Merlin zu der Tierklinik. In der Tierklinik wurde er eingeschläfert, ich war bei ihm, habe ihn gehalten, er war sofort weg. Eine Weile bin ich bei ihm geblieben, habe mit ihm
gesprochen, alles erklärt, wie lieb wir ihn haben, dass es ihm nun besser gehen würde ohne all seine körperlichen Gebrechen.

Merlin haben wir nach München in die Forschung gegeben, damit seine Ergebnisse auch anderen an HCM erkrankten Katzen helfen können. Die Obduktion ergab ein hochgradiges Lungenödem (Lunge voller Wasser), die Bestätigung dass Merlins Herz an HCM erkrankt war, einerseits war es hypertrophiert, andererseits überanstrengt. Nieren und Nierenbecken
waren entzündet, es war keinen Tag zu früh für seine Einschläferung gewesen.

Merlin wurde 9 Tage vor seinem zweiten Geburtstag eingeschläfert.
Wir werden ihn nie vergessen.


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