Cisco, Maine Coon
22.05.2004 - 28.03.2006 (HCM)

geschrieben von Petra P.

Im Internet stiessen wir bei der Suche nach einem Maine Coon Kitten auf Cisco. Eigentlich sollte es ja ein black tabby Katerchen werden, aber als wir den Wurf mit den kleinen schwarzen Trollen sahen, war es um uns geschehen.........und die Cattery war gar nicht so weit weg.

Als wir die Züchterin besuchten, hörten wir zum ersten Mal das Wort HCM, die Züchterin erklärte uns die Krankheit und zeigte uns die Schallergebnisse der Eltern, den Gentest gab es da noch nicht. Nun ja, wir nahmen das zur Kenntnis, aber so richtig bewusst war uns das Thema eigentlich nicht. Viel wichtiger waren uns die Babies, und es stand bald fest, Cisco würde bei uns einziehen.

Cisco zog also Ende August bei uns ein und brachte viel frischen Wind ins Haus. Der kleine Racker war überall zu finden, und alles Spielzeug war sofort sein Spielzeug. Mit den beiden anderen Katzen verstand er sich schnell sehr gut, und bald hatte er auch das Bett als Schlafplatz erobert. Sein Lieblingsspiel war "Betten beziehen", da ist er immer zwischen Spannbetttuch und Matratze gekrabbelt, und hat dort herumgetobt. Wir waren rundum glücklich mit unserem Schatz.

Cisco´s Züchterin hatte uns noch gebeten, ihn gegen Leukose zu impfen, also sind wir die Impfung dann im Oktober angegangen. Bei der Tierärztin fand dann die übliche Grunduntersuchung mit abhören statt, und ich dachte mir gar nichts dabei, dass sie ihn recht lange abhörte. Dann reichte sie mir das Stethoskop und sagte: "Hören sie mal!". Ich wusste nicht genau, was das sollte, aber ich hörte auch ein komisches Rauschen. Sie erklärte mir dann, dass dieses Geräusch nicht normal sei, es könne aber evtl. durch sein doch sehr schnelles Wachstum kommen. Cisco war wirklich sehr schnell gewachsen, und versprach ein schöner, stattlicher Kater mit einer wunderbar markanten Schnauze zu werden. Wir vereinbarten einen Kontrolltermin in 4 Wochen, bis dahin müsste das Geräusch dann aber weg sein.

Ich habe mich sehr an diesen Gedanken geklammert, es wird doch nur vom schnellen Wachstum kommen? Das ist sicher bis zum Kontrolltermin weg........ In der Zwischenzeit habe ich viel im Internet gesucht, um eine möglichst harmlose Erklärung zu finden. Immer wieder las ich HCM, aber seine Eltern waren doch untersucht? Das konnte und durfte es nicht sein! Mit Bangen und gleichzeitig der Hoffnung, dass ich nun beruhigt werde, gingen wir zur Kontrolluntersuchung. Leider war das Geräusch immer noch da, und unsere Tierärztin schickte uns postwendend zur Kardiologin, da sie nicht die richtigen Geräte hierzu hatte. Da hörte ich dann zum ersten mal das Wort "Farbdoppler", und dass mit diesem Gerät besser ein Spezialist umgehen sollte. Mir war hundeelend, denn meine schlimmsten Befürchtungen waren eingetroffen. Mein Optimismus schwand, mein Mann meinte aber immer noch, so schlimm wird das doch nicht sein. Vielleicht hat er ja gar keine HCM.

Innerhalb weniger Tage hatten wir einen Termin bei der Kardiologin, und ich sah dem Termin mit viel Bauchweh entgegen. In der Praxis wurde Cisco etwas rasiert, und ich hielt ihn mit fest für den Schall. Ich muss sagen, von der Klinik war ich nicht sehr begeistert, denn Cisco wurde eher als Gegenstand behandelt, ohne eine freundliche Geste, und die Untersuchung war recht schweigsam. Auf mein Nachfragen hat mir dann die Kardiologin schon etwas erklärt, was sie auf dem Bildschirm sieht, und bestätigte mir sofort den schlimmen Verdacht: HCM! Sie reagierte recht kühl, aber ich war völlig durch den Wind und auch verstört. Viele Fragen vielen mir damals spontan nicht ein, ich war zu durcheinander und betroffen. Mein Cisco, mein wunderschöner Schatz, der doch erst 6 Monate alt war, hatte sein Todesurteil erhalten! Ich lief heulend mit Cisco aus der Praxis, ich weiss nicht, wie ich damals heimgefahren bin mit ihm. Daheim sass ich heulend da, mit meinem Cisco im Arm, ich hatte soviel über HCM gelesen, dass mir die Tragweite nun bewusst war. Mein Mann konnte nicht ganz nachvollziehen, warum ich so heulte, es gab ja keine direkte Veränderung bei Cisco, nach aussen wirkte er gesund und munter. Er baute mich wieder etwas auf, und zusammen mit unserer TÄ begannen wir dann mit der Therapie. Kontroll-Schall sollte in 3 Monaten sein.

Cisco bekam also 2x täglich seine Medikamente, und wir beobachteten ihn besorgt auf Anzeichen. Seine Züchterin hatten wir informiert, sie war genauso betroffen wie wir. Und sie liess seinen Vater direkt danach kastrieren. Da wir keine unmittelbaren Auswirkungen sehen konnten, fingen wir an, uns in Sicherheit zu wiegen. Cisco spielte und alberte herum, hatte eine Pappschachtel zu seinem Heim erkoren, und sass jeden Abend in seiner Pappschachtel bei uns auf dem Sofa. Wir konnten wieder über seine Kapriolen lachen, und lernten, die Gedanken an seine Krankheit etwas zu verdrängen.

Der Termin für den Kontrollschall rückte näher, und bei der vorherigen Untersuchung bei unserer Haus-TÄ waren auf einmal keine Herzgeräusche mehr zu hören. In uns regte sich wieder die Hoffnung, dass wir vielleicht doch ein kleines Wunder erleben könnten? Vielleicht, ja vielleicht ist unser Cisco einer der wenigen Fälle mit einer Fehldiagnose, mit einer doch überraschenden Heilung, vielleicht......vielleicht...... Wir wollten uns an diese Hoffnung klammern!
Dann kam der Schall-Termin und die böse Bruchlandung auf dem Boden der Tatsachen: für uns gab es kein Wunder! Die Kardiologin stellte fest, dass sein Herz sich so massiv verdickt hatte, das die Turbulenzen deswegen nicht mehr zu hören waren. So schlechte Werte hatte sie noch nie bei einem so jungen Tier gesehen. Cisco war zu dem Zeitpunkt 11 Monate alt, und zum Sterben verurteilt. Die Kardiologin gab ihm noch 3-4 Monate. Für uns unfassbar, wir hatten doch auch noch gar keine Auswirkungen an ihm bemerkt!
Nun ja, ein paar Auswirkungen gab es schon, aber die wollten wir so nicht sehen und hatten und logische Erklärungen dafür zurecht gelegt. Er war recht dünn für seine Grösse, aber Coonies sind ja erst mit 3 bis 4 Jahren richtig ausgewachsen, dass muss daran liegen......und sein Fell wurde immer etwas struppiger (ist bestimmt der Fellwechsel).

Nach und nach setzten dann die ersten Krankheitserscheinungen ein: Cisco wurde ruhiger, und spielte immer weniger. Die Veränderung kam schleichend, immer in kleinen Schüben. Dann kam der heisse Sommer 2005. Laut Prognose hätte Cisco den Sommer gar nicht mehr erleben dürfen. Die Hitze dieses Sommers machte ihm dann auch schwer zu schaffen, er fing sehr schnell an heftig zu atmen, und wenn er doch einmal das Spielen probierte, musste er sehr schnell hecheln. Im Herbst erfuhren wir dann auch, dass bei Cisco?s Vater beim jährlichen Kontrollschall massivste HCM festgestellt wurde, er war kurz nach der Diagnose im Sommer 2005 gestorben. Damit war klar, von welcher Seite des Stammbaums seine HCM vererbt worden war.

Bei uns war in der Zwischenzeit Prinzi eingezogen, ein junger Maine Coon Kater, denn wir mussten ja auch an Sherry denken. Sie brauchte einen Partner zum Spielen und Toben, und Cisco konnte das einfach nicht mehr so, wie sie es gebraucht hätte. Es war für ihn eine Entlastung..........aber es tat so weh, den Unterschied zu sehen: wie sich Sherry und Prinzi entwickelten, fröhlich tobten, und Cisco sich immer weiter zurückzog. Er nahm immer mehr die Rolle des Beobachters ein, die graue Eminenz im Hintergrund. Mit 1 1/2 Jahren hätte er eigentlich ein jugendlicher Racker sein sollen.

Unsere TÄ versuchte ihn zu unterstützen, soweit sie konnte, aber sein krankes Herz heilen war ja nicht möglich. So mussten wir beobachten, wie er sich über den Winter immer mehr zurückzog. Er war noch anwesend, aber nicht mehr so sehr in unserer Welt..........ich habe viel mit ihm geschmust und geredet, wir versuchten, ihm unsere Liebe zu zeigen. Es war uns klar, dass der Abschied immer näher rückte. Sein Fell wurde struppiger, und er wirkte viel zu dünn. Schliesslich fing er an, etwas zu müffeln. Die erste Diagnose der TÄ lautete, dass es stark nach einem sich anbahnenden Nierenproblem aussieht, weitere Tests sollten folgen.

Am Abend nach dieser ersten Untersuchung vermissten wir abends beim Fernsehen auf einmal Cisco. Normalerweise lag er um diese Zeit immer bei uns auf dem Sofa. Nach einigen Minuten ging mein Mann nach ihm sehen, irgendwie hatten wir beide ein dummes Gefühl. Nach wenigen Minuten kam er wieder, und ein Blick in sein Gesicht sagte mir alles. Als er nach Cisco sah, lag er auf dem Boden in der Waschküche, er hob noch einmal den Kopf, als er ihn sah, so als hätte er auf die Möglichkeit zum Verabschieden gewartet. Ein letztes Mau, dann schloss er die Augen für immer.

15 Monate lang wussten wir von der Diagnose, wir wussten, dass das Ende jeden Tag kommen kann. Und trotzdem, es war ein Schock, als es dann soweit war. Diese Nacht haben wir mit Weinen verbracht............Cisco liegt nun bei unseren Sternenkatzen in unserem Garten, er war eine wunderbare, stolze Persönlichkeit und er wird immer in unserem Herzen sein.

Mit der Mutter von Cisco´s Vater wird noch immer gezüchtet, obwohl sie inzwischen mischerbig im Gentest getestet wurde, und mehrere HCM-Nachkommen wie Cisco und sein Vater belegen, dass in dieser Linie HCM vererbt wird. Weitere Nachkommen von ihr werden in der Zucht eingesetzt. Nachdem ich mich in den letzten Jahren bedingt durch Cisco´s Krankheit viel mit Stammbäumen von HCM-Tieren beschäftigt habe, käme für mich heute kein Kitten mehr aus diesen Linien in Frage.


  • Besucherzähler:
  • Heute: 30
  • |
  • Gesamt: 93955